Warum Gartenbausubstrate aus Paludikultur?
Torf ist charakterisiert durch seine hohe Wasseraufnahmefähigkeit, seine gute Luftdurchlässigkeit, einen geringen pH-Wert und Nährstoffgehalt. Damit ist es ein beliebtes Ausgangsmaterial für Gartenbausubstrate. Laut des Industrieverbands Garten e.V. (IVG) lag der Einsatz von Torf in Substrate in Deutschland 2025 noch bei 33 % (19 % Weißtorf, 14 % Schwarztorf im Hobbygartenbau) bzw. 61 % (30 % Weißtorf, 31 % Schwarztorf in Kultursubstraten). Über die letzten Jahre hat sich dieser Anteil stetig gemindert.
Dieser Prozess ist ganz im Sinne der Torfminderungsstrategie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Sie sieht einen Verzicht auf Torf als Substratkomponente im Hobbybereich bis 2026 vor. Im Erwerbsgartenbau soll bis 2030 die Minderung so stark wie möglich erfolgen (Torfminderungsstrategie).
Der Ausstieg ist im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung gesetzt und eine der Maßnahmen, mit denen Moorböden geschützt und Emissionen durch Torfabbau gesengt werden sollen (unter 3.4.7.3 im Klimaschutzprogramm 2030).
Mehr zum Thema Moorbodenschutz und Klimaschutz befindet sich hier.
Torfmoos als Substrat
Torfmoose sind Hauptbildner von Torf in Hochmooren. Als Substratkomponente haben sie daher sehr ähnliche Eigenschaften wie Weißtorf und können es qualitativ in Substraten sehr gut ersetzen. Hier geht es zu mehr Informationen zu Torfmoosen: Torfmoos | Paludikultur in Niedersachsen
Mithilfe unseres PaludiFarming-Projektpartners Klassmann-Deilmann, haben wir die Wertschöpfungskette von Torfmoos zu Substraten wie folgt dargestellt.
Rohstoffgewinnung
Zur Gewinnung der Biomasse muss zunächst eine gewählte Fläche hergerichtet werden. Die Maßnahmen hängen von den Gegebenheiten auf der Fläche ab. Dazu gehören zum Beispiel die Planierung der Fläche und die Etablierung eines Bewässerungssystems. Die Etablierung der Torfmoose erfolgt durch die Aussaat von ganzen oder zerkleinerten Torfmoos-Pflanzen. Bis zur Ernte muss die ein Flächenmanagement erfolgen, z.B. die Mahd der sich ansiedelnden Gefäßpflanzen. Die Ernte erfolgt nach etwa 3 bis 5 Jahre bisher durch Bagger oder Raupenfahrwerke. Anschließend erfolge die Neueinrichtung der Fläche.
Rohstoffaufbereitung
Zur Sterilisierung wird die gewonnene Biomasse gedämpft und nachfolgend fraktioniert. Anschließend wird die aufbereitete Biomasse gelagert, bis sie zur Substratherstellung weiterverarbeitet wird.
Substratherstellung
Abhängig vom Einsatzbereich werden angepasste Substratrezepturen entwickelt und endsprechende Rohstoffe erworben. Diese werden in spezifischen Verhältnissen miteinander vermengt. Anschließend erfolgt die Abfüllung in die Verpackung.
Rohrkolben als Substratkomponente
Auch Rohrkolben wird als Torfersatzstoff untersucht. Unter anderem wird in unserem Projekt Paudi & Markt dazu geforscht. Der im folgenden beschriebene Prozess der Wertschöpfungskette von Rohrkolben (Typha) zu Substrat wurde mit Hilfe des Leadpartners Stichting Bargerveen erstellt. Mehr Informationen über Rohrkolben befinden sich hier.
Rohstoffgewinnung
Bevor die Aussaat erfolgen kann, muss die Fläche vorbereitet werden. Dazu kann auch hier flächenspezifisch eine Planierung und die Errichtung eines Bewässerungssystems erfolgen. Die Aussaat erfolgt mit vorgekeimten Samen. Wasserstand und Nährstoffgehalt müssen auch nach der Etablierung regelmäßig überprüft werden. Nach ein bis zwei Jahren kann der Rohrkolben erstmals geerntet werden, danach kann sie jedes Jahr erfolgen. Für die Mahd werden derzeit Raupenmaschinen aus dem Hanfanbau eingesetzt.
Rohstoffaufbereitung
Es folgt eine Phase der Trocknung. Gegebenenfalls muss das Material noch einmal zerhäckselt werden. Dann wird das Material kompostiert oder fermentiert.
Substratherstellung
Abhängig von den Anforderungen des Kunden bzw. des Einsatzes wird eine Rezeptur angepasst. Die Rohrkolben-Biomasse wird entsprechend mit weiteren Komponenten und/ oder Nährstoffen vermengt und verpackt.
Weitere Informationen
Schmilewski (2008), The Role of Peat in Assuring the Quality of Growing Media, Mires and Peat
Schlussbericht zum Vorhaben MOOSWEIT
Schlussbericht zum Vorhaben Torfmooskultivierung auf Hochmoorgrünland. Teilvorhaben 1